Wenn deine größte Schwäche zu deiner größten Stärke wird

Wenn deine größte Schwäche zu deiner größten Stärke wird

Soziale Phobie, Sprachentwicklungsstörung, Deutsch als Fremdsprache, Hauptschul-Empfehlung, gescheitertes Abitur, zwei abgebrochene Studiengänge.

Das hört sich wahrlich nach keiner Erfolgsgeschichte an, dennoch gehören diese Begriffe zu mir.

In der Schule gab es keine schlimmere Situation als ein Referat vor der Klasse zu halten. Ich bekam kein Wort raus. Die Grundschule war hart. Ich lerne Deutsch von der 1. Klasse an „by-doing“. Im Nachhinein betrachtet waren das Faktoren die vermutlich dazu führten, dass ich mich extrem zurückzog, was wiederum meine soziale Phobie und Sprachprobleme erklärte. Was folgte war unausweichlich. Eine, damals verbindliche, Hautpschul-„Empfehlung“.

Heute weiß ich, es war die erste „Prüfung“ in meinem Leben. Es gab zwei Optionen. Die Erste war den Kopf in den Sand stecken und sich dem Schicksal ergeben, dass man es sowieso zu nichts bringt. Das habe ich mir nicht einfallen lassen, das waren Aussagen von Erwachsenen, darunter sogar Lehrer.

Die zweite Option war ganz einfach: weiter machen und das beste daraus machen. Was ich auch tat. Damals habe ich das nicht wirklich erkannt, aber heute weiß ich, dass diese Zeit der Grundstein war, für das, was danach folgte.

Jeder kennt diesen abgedroschenen Spruch: „Mache das beste daraus“. Aber stellt euch vor, da ist wirklich etwas dran! Ohne Witz. Man hat den Satz vermutlich nur schon so oft gehört, dass man reflexartig abwinkt.

Was dieser Spruch aber wirklich meint ist folgendes: Konzentriere dich nicht auf das was du nicht (erreicht) hast, sondern hole das maximale aus dem was Du jetzt hast und kannst!

Jeder von uns, egal an was er gescheitert ist, ist eine Bereicherung für andere Menschen. Weil sein Weg, sein Können einzigartig sind und so auf der Welt nur einmal vorkommen.

Damit das nicht zu abgefahren klingt, hier mein ganz persönliches Beispiel: Nach meinem gescheiterten Abitur, habe ich überlegt was ich mit der 11. Klasse Wirtschaftsgymnasium im Leben anfangen kann. Für mich klang eine Ausbildung ganz vernünftig. Also bewarb ich mich um einen Ausbildungsplatz. Ich wusste es wird schwer mit diesem Lebenslauf. Deshalb machte ich sprichwörtlich das beste daraus und schrieb an einer einzigen Bewerbung drei volle Tage(!) bis ich da Gefühl hatte, sie sei „perfekt“.

Von acht verschickten Bewerbungen bekam ich drei Absagen und fünf Einladungen zu einem Gespräch. Ich entschied mich direkt für das erste Angebot. Die Skills aus dem gescheiterten Abitur verhalfen mir dazu, der beste in meiner Klasse zu werden. Rechnungswesen, BWL, VWL waren für mich kein Problem mehr. Ich blühte auf, meine soziale Phobie baute ich kontinuierlich im Umgang mit Kunden, in meinem Ausbildungsbetrieb, ab. In der Berufsschule nutze ich jede Gelegenheit um einen Vortrag zu halten, weil ich wusste glaubte zu wissen wovon ich rede, war es für mich plötzlich einfach vorne zu stehen – ich hatte sogar spaß dabei!

Mein Abitur holte ich nach der Ausbildung nach. Ich war endlich bereit für das Studium. – Guess what? Yep. Gescheitert. Wirtschaftsingenieurwesen war wohl nicht das richtige für mich. Der Wechsel zu Wirtschaftsinformatik war der logische Schritt, weil ich schon zuvor eine hohe Affinität zur Informatik hatte.

An dieser Stelle kürze ich ab. Ich habe das Studium vorzeitig abbrechen müssen. Eine erneute Niederlage.

Doch die Optionen war die gleiche wie damals zu Grundschulzeiten. Weiter machen, oder den Kopf in den Sand. Ich entschied mich wieder für das Weitermachen. Willst du einen Job ohne Studium musst du ALLES geben und alles versuchen.

Während und nach meinem abgebrochenen Studium nutze ich jede freie Minute um zu coden. Fortan war alles was ich lerne aus meiner Sicht nicht „gut genug“. Ich wollte es besser machen, es besser wissen, mehr wissen, mehr können.

Neben der Beharrlichkeit die sich über die Jahre entwickelt hat, war es diese Underdog-Mentalität die mich schrittweise nach vorne gebracht hat.

Wenn du keinen Abschluss hast, kannst du es dir nicht leisten „Durchschnitt“ zu sein. Alles was du tust, musst du mit 120% Einsatz tun.

Ich habe die Chancen bekommen mich zu beweisen. Für die ich übrigens sehr dankbar bin. An dieser Stelle danke Dominik, Marc und Michael.

TL; DR

Wie machst du also aus deiner Schwäche eine Stärke? In meinem privaten Umfeld sage ich gerne folgendes (sorry für die Wortwahl): „Du musst lernen Scheiße zu essen!“

Sei beharrlich, mache das wirklich beste aus deiner Situation. Finde einen neuen Weg und gehe einen Schritt zurück wenn du das Gefühl hast du kommst nicht weiter. Aber mache eines niemals: bleibe nicht stehen und gebe niemals auf, niemals.

Kermin

  1. Super inspirierend, Kermin! Wenn man sich mühsam durchbeißen muss, lernt man das eben und ist nicht von jedem neuen Hindernis entmutigt. Das hilft wirklich viel mehr im Leben, als ein schöner Lebenslauf.

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